Die Freiburger Münsterbauhütte und das Amt für Kirchenmusik
haben eine äußerliche und eine fachliche Gemeinsamkeit: äußerlich
sind sie beide im selben Gebäude an der Schoferstraße 4 untergebracht.
Hier befinden sich die Büroräume und die Bibliothek des AfK
sowie das Büro des Münsterbauvereins und vor allem der Hof
und die Werkstatt der Münsterbauhütte. Und die fachliche Gemeinsamkeit?
Beiden geht es um Kunst im Raum des Glaubens.
Am 15. Februar 2005 feierte die Münsterbauhütte mit einem zünftigen
Fest in der Werkstatt die vollendete Renovierung der Renaissance-Vorhalle
am Freiburger Münster. Mit dabei waren der scheidende Münsterbaumeister
Manfred Sass und seine Nachfolgerin Yvonne Faller, die am 1. April das
Amt der Münsterbaumeisterin antritt, Münsterpfarrer Erich Wittner
und Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg, die Steinmetze
in ihrer Zunftkleidung - und jene Freiburger Bürgerin, deren großzügige
Spende von 500 000 Euro dieses mehrjährige Renovierungsprojekt ermöglicht
hat.
Madrigale der Renaissance - von Morley, Banchieri, Friderici und einigen
anderen - steuerte die "Capella Cantorum Freiburg", das Vokalensemble
am Amt für Kirchenmusik, unter der Leitung von DKMD Wilm Geismann
zu diesem Fest bei. Die Chorstücke besangen das Leben mit Liebesfreud
und Liebesleid, vor allem aber die Festlichkeit mit Geselligkeit und
Gesang, bestem Wein und guten Speisen. Adriano Banchieris "Contrapunto
bestiale alla mente" beschloss den launigen Reigen der Madrigale.
Manche Zuhörer hätten wohl noch länger zuhören wollen. Aber da zeigt sich eine weitere Gemeinsamkeit zwischen der monumentalen Baukunst und der Zeitkunst Musik. Auf die Höhepunkte der Aufführung folgen immer die Phasen in der Werkstatt: mit Vorbereiten, Probieren und Feilen, Anpassen der Einzelteile an das Gesamtwerk, Interpretieren des Vergangenen aus zeitgenössischer Perspektive, für heutige Augen und Ohren. Der festliche Abend war nebenbei die schöne Begegnung zweier "Werkstätten". Beide haben den Charakter einer "ewigen Baustelle", aber mit festlichen Höhepunkten!
Meinrad Walter
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